Papierwissen / Material bewusst wählen

BPA-frei ist ein Anfang.
Phenolfrei geht weiter.

Zwei Begriffe, die ähnlich klingen. Und einen Unterschied machen: BPA-freies Thermopapier kann weiterhin andere Bisphenole enthalten. Phenolfreies Papier setzt bei den Farbentwicklern weiter an.

Für Einkauf & KassenbereichEuropaper GmbHStand: 13.10.2026Etwa 5 Minuten Lesezeit
Coreless-Bonrolle mit der Kennzeichnung PHENOLFREI
Coreless-Produktbeispiel mit phenolfreier Papierqualität. Produktfoto mit KI bearbeitet.

Der Unterschied auf einen Blick

01 / BPA-frei

Ein Stoff
ausgeschlossen.

Die Angabe bezieht sich auf Bisphenol A. Sie sagt allein noch nichts darüber aus, ob beispielsweise Bisphenol S als Farbentwickler verwendet wird.

03 / Coreless

Die Rolle.
Ohne Hülse.

Coreless beschreibt den Aufbau ohne separate Hülse. Phenolfrei beschreibt die Papierqualität. Beide Eigenschaften ergänzen sich; eine folgt nicht automatisch aus der anderen.

01 / Das Material

Ein Beleg entsteht
durch Wärme.

Bei herkömmlichem Thermopapier erwärmt der Druckkopf eine empfindliche Beschichtung. Farbstoff und Farbentwickler reagieren miteinander: Das Druckbild entsteht direkt auf dem Papier, ohne Tinte oder Farbband. Deshalb lohnt sich bei Bonrollen ein Blick auf die Beschichtung – nicht nur auf Breite und Durchmesser. [1]

02 / Die Ausgangslage

BPA-frei ist üblich.
Aber keine Gesamtaussage.

Seit dem 2. Januar 2020 dürfen Thermopapiere mit einem BPA-Gehalt von 0,02 Gewichtsprozent oder mehr in der EU nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Das gilt auch in Deutschland. Dieser gesetzliche Grenzwert ist die verbindliche Grundlage; er ist nicht gleichbedeutend mit einem analytischen Nachweis von absolut null BPA. [2]

„BPA-frei“ begegnet Ihnen deshalb häufig im Sortiment. Der Begriff allein bedeutet jedoch nicht „frei von allen Bisphenolen“. Die Europäische Chemikalienagentur dokumentierte, dass BPA in Thermopapieren vielfach durch BPS ersetzt wurde. [3]

BPS steht für Bisphenol S. Es ist ebenfalls ein Bisphenol und wird in der EU als reproduktionstoxisch, Kategorie 1B, eingestuft. Der Austausch eines Stoffes ist damit noch keine umfassende Aussage über die Eigenschaften des Ersatzstoffs. [4]

03 / Die weitergehende Wahl

Phenolfrei setzt bei
der Stoffgruppe an.

Bei phenolfreiem Thermopapier werden phenolische Farbentwickler – darunter BPA und BPS – nicht eingesetzt. An ihre Stelle können nichtphenolische Farbentwickler treten. Ein Beispiel ist die vom Hersteller Solenis beschriebene Technologie Pergafast 201. Das Beispiel erklärt das Prinzip; es benennt nicht automatisch die Beschichtung jedes Europaper-Artikels. [1]

Wer gezielt auf BPA und BPS als Farbentwickler verzichten möchte, sollte nach phenolfreiem Thermopapier mit passendem Produktnachweis fragen.

„Phenolfrei“ bedeutet jedoch nicht automatisch „ohne jeden chemischen Farbentwickler“. Papierhersteller unterscheiden zwischen herkömmlichen phenolfreien Sorten und Technologien, die ganz ohne chemische Farbentwickler auskommen. Ebenso wenig ist die Kennzeichnung ein allgemeines Versprechen, dass ein Papier in jeder Anwendung unbedenklich oder für Lebensmittelkontakt geeignet ist. [5]

04 / Im Betrieb

Gute Auswahl verbindet
Material und Gerät.

Für eine passende Bonrolle gehören drei Fragen zusammen: Passt das Format in das Gerät? Ist die Papierqualität für den Drucker und die benötigte Aufbewahrung geeignet? Ist die gewünschte Materialeigenschaft für genau diesen Artikel belegt?

  • Gerät und Format: Hersteller, Modell, Rollenbreite und Außendurchmesser nennen.
  • Papiernachweis: Die Erklärung zur phenolfreien Beschichtung und ihre Artikelzuordnung prüfen.
  • Belegqualität: Druckbild, Lagerbedingungen und erforderliche Beständigkeit abgleichen.
  • Rollenaufbau: Coreless-Eignung separat prüfen. Kernlosigkeit und Papierbeschichtung sind unterschiedliche Merkmale.

Unsere Beratung führt diese Punkte zusammen. So wählen Sie eine phenolfreie Coreless-Variante anhand Ihres tatsächlichen Einsatzes.

Passende Rolle finden

05 / Nach dem Druck

Phenolfrei ist kein
Recycling-Freifahrtschein.

Auch phenolfreie Thermopapiere können Farbentwickler enthalten. Aus der Kennzeichnung allein lässt sich deshalb keine Freigabe für das Altpapier ableiten. Für farbentwicklerhaltige Thermobelege ist der Restmüll die vorsichtige Wahl; abweichende Hinweise müssen zur konkreten Papierqualität passen. Die Kriterien des Blauen Engels unterscheiden ausdrücklich zwischen Papier mit und ohne chemische Farbentwickler. [6]

Die Entscheidung für weniger phenolische Farbentwickler und die Entscheidung für weniger Kunststoff im Rollenkern betreffen zwei verschiedene Materialfragen. Genau diese Unterscheidung macht einen nachvollziehbaren Vergleich möglich.

Nachlesen statt vermuten

Quellen & Hintergründe.

  1. Solenis: Farbentwickler und phenolfreie Thermopapiere ↗
  2. Verordnung (EU) 2016/2235: BPA-Beschränkung in Thermopapier ↗
  3. ECHA: Ersatz von BPA durch BPS in Thermopapier ↗
  4. ECHA: Stoffinformationen und Einstufung von Bisphenol S ↗
  5. Koehler Paper: Unterschiedliche Thermopapier-Technologien ↗
  6. Blauer Engel: Kriterien DE-UZ 223 für Thermopapiere ↗

Recherche: 13.10.2026. Allgemeine Materialinformation; Eigenschaften und Freigaben gelten für den jeweils nachgewiesenen Artikel.

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